oö. Brauchtumskalender     Home Impressum Kontakt  
OÖ. Forum Volkskultur
OÖ. Forum Volkskultur
 
 
     
 

Raunächte

behandelt auch die Begriffe: Perchten, Wilde Jagd
     
 
Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr.
Merkspruch zur Rauhnacht, der sich auf die traditionellen Speisen in den Rauhnächten bezieht
(Zitiert nach Fochler, Rudolf: Von Neujahr bis Silvester. Volkstümliche Termine in Oberösterreich. Linz 1971, S. 200)
Wo wird der Brauch in OÖ gelebt?
Gesamt OÖ

Kategorie:
Raunächte

 

Seit jeher ist die finsterste Zeit des Jahres, die Tage rund um die Wintersonnenwende, eine Periode, in der die im Menschen steckende Urangst vor Übersinnlichem zum Tragen kommt – ausgelebt in Form von reinem Aberglauben.

Die Raunächte, wie die Zeitspanne von der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag genannt wird, ist eine Zeit der Geister und Seelen, eine Zeit des Machtspiels zwischen Finsternis und Licht, zwischen Gut und Böse. Eine Zeit, in der abergläubische Handlungen stärker ausgeprägt sind, als sonst in irgendeiner Zeit des Jahres. Vielfältiges Brauchtum und zukunftsweisende Orakel bestimmen diese Tage und Nächte.

Geblieben sind von den ursprünglichen zwölf Nächten vier Hauptraunächte. Dazu zählen neben der Thomasnacht am 21. Dezember der Heilige Abend, die Silvesternacht und die Nacht von fünften auf sechsten Jänner, die Dreikönigsraunacht. Die Wurzeln der mit den Raunächten verknüpften Mythen gehen bis in die Antike zurück und sind unter anderem auch römischen und germanischen Ursprungs.

Die „heiligen Zwölften“ waren nach heidnischem Glauben den im Wintersturm heranziehenden Gottheiten geweiht. Durch die Christianisierung wurde daraus die „Wilde Jagd“, dem Volksglauben nach ein Sammelsurium verdammter und fluchwürdiger Gestalten, die in diesen Nächten durch die Lüfte ziehen. Eine Begegnung mit diesem Geisterheer bedeute den Tod. Deswegen galt es sich selbst sowie Haus und Hof vor diesen bösen Mächten zu schützen. Das Ausräuchern von Haus, Hof und Stall um Unglück abzuwehren, ist auch heute noch das am meisten verbreitete und bekannteste Raunachtsbrauchtum überhaupt.

Die langen Winternächte und besonders die längste Nacht von allen, sind ein idealer Zeitpunkt, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Man bedient sich verschiedener Orakelbräuche. Heiratswillige Mädchen rufen z.B. den Heiligen Thomas an, er möge ihnen ihren Zukünftigen im Traum erscheinen lassen:

„Bettstaffl i tritt di, heiliger Thomas i bitt‘ di, laß mir im Tram erschein‘ den Herzallerliabsten mein!“

Das Schicksal kann in diesen Nächten neben der Frage nach Liebe auch in den Belangen Reichtum, Ernte, Glück, Unglück oder gar Tod konsultiert werden. Patschenwerfen oder Hütelheben sind zwei weit verbreitete Bräuche, die ebenfalls einen Blick in die Zukunft erlauben.

Nicht weniger erfinderisch ist der Aberglaube in der Heiligen Nacht: Zu Mitternacht beginnen die Tiere im Stall zu reden. Wer jedoch versucht, ihnen zuzuhören, der stirbt im nächsten Jahr. Bei Beachtung verschiedener Rituale kann man während der Mette Weissagungen tätigen und für manche Menschen werden dem Volksglauben nach sogar die Hexen sichtbar!

Die Silvesternacht ist ebenso geprägt von allerlei Orakelbräuchen. Sie unterscheidet sich jedoch von den anderen Raunächten durch den fehlenden religiösen Hintergrund.

Mit dem Dreikönigstag endet die Zwölftenzeit. Zur letzten Raunacht wird das Brauchtum auch öffentlich sichtbar. Die Glöcklerläufe im Salzkammergut sind zu einem Schaubrauch geworden. Nicht weniger Zuschauerwirkung erzielen aufwändige szenische Raunachtsspiele, die auch den Übergang zur Faschingszeit durch Hineinnahme von Faschingsfiguren darstellen.

Die Zwölftenzeit ist aber auch jene Zeit, in der Heischegruppen – meist Kinder –von Haus zu Haus ziehen, Sprüche aufsagen oder Lieder singen. Bei den meisten Hausbewohnern sind sie willkommen, da sie als Glücks- und Segensbringer gesehen werden.

Dürre und foaste Raunächte

Das Sprichwort „Raunacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr“ weist auf die Speisebräuche in den Zwölften hin.
In den mageren, also dürren Raunächten wurden Fastenspeisen aufgetischt. Üppig und fettreich gestaltete sich das Mahl in den „foastn“, also fetten Raunächten. Krapfen und andere in Schmalz gebackene Süßspeisen sowie Früchte- oder Kletzenbrot, wurden auch für vorbeiziehende Heischegruppen bereit gehalten.

Vielfältig wie das Brauchtum der Raunächte sind auch die Erzählungen, Sagen und Legenden, die sich um die „Zwölften“ ranken. Sie entspringen oft der reichen Phantasie unserer Ahnen, die sich die langen Winternächte damit vertrieben haben, Geschichten zu erzählen…

Siehe auch: Räuchern, Perchtenbrauch , Krupf Krupf, Nebelberger Raunachtsspiel, Perchtnacht oder Dreikönigsraunacht, Heiliger Abend, Thomasnacht, Silvester, Glöcklerlauf

    Räuchern
Geräuchert wird in den Raunächten in vielen Familien
Foto/Galatz Glöckler
Glöckler erhellen die letzte Raunacht
Foto/Galatz